Donnerstag, 1. April 2010

Teil 2 - Die Prophezeiung

Okaaay, der erste Teil ist wirklich sehr kurz geraten, da schicke ich euch den zweiten auch gleich noch hinterher, ich bin ja nicht so. Den Teil mit Gandalette kennt ihr ja schon so halb, aber macht ja nichts. ^.~ Aber dann müsst ihr euch noch ein wenig gedulden, Lulu schmollt, weil ich sein Leiden öffentlich mache. *seufz*

Ein plötzlich aufleuchtendes, gleißendes Licht blendete mich, dazu gab es einen lauten Knall.
Schützend hielt ich mir eine Hand vors Gesicht und rechnete mit dem Schlimmsten.
Ein harter Gegenstand – ein Stab oder so – stieß ruppig gegen meine Schulter.
„Aua!“
„Bist du Lulu?“
„Was?“
„Du! Lulu!“
„Ich … äh … Luzifer!“
Ich blinzelte ins Licht, empört darüber, dass mir jemand meinen verhassten Spitznamen an den Kopf warf.
„Na, endlich!“
Das Licht wurde schwächer und ich erkannte eine Gestalt dahinter: groß, ganz in Weiß, die langen Haare und der ebenso lange Bart ebenfalls weiß, und strahlend wie Meister Propper persönlich.
„Mehr Klischee geht ja wohl nicht?“, fragte ich gelangweilt.
Der Alte sah mich missbilligend an. „Als ob du viel besser wärst! Schwarze Flügel, schwarze Gewänder, schwarze Haare, bleiche Haut, rote Augen … Musst du eigentlich wie ein Vampir aussehen? Ich habe keine Ahnung wie oft den Falschen angefunzelt!“
Ich kicherte schadenfroh.
„Lach nicht!“ Der Alte fuchtelte mit seinem Leuchtestab vor meiner Nase herum.
„Wer bist du eigentlich? Ich meine, Petrus wäre ein bisschen zu offensichtlich, nicht wahr?“ Ich betrachtete ihn zweifelnd.
„Ich bin der weise Gandalette!“
Ich biss mir eilig auf die Lippe, um einen Lachanfall zu unterdrücken, gleich darauf biss ich mir erneut auf die Lippe, als er mir schmerzhaft vors Schienbein trat. „Argh! Was soll das?“ Ich schielte zu seinen Füßen herab und erblickte dort Treter mit geradezu mörderischen Spitzen.
Okay, die passten nun nicht ins Klischee.
Ich betrachtete mir diesen Gandalette nun etwas genauer und tatsächlich, hinter diesem ganzen weißen Gestrahle versteckten sich Jeanshose und Jeansjacke, beides mit Lederfransen. Über das ganze hatte er sich einen Umhang geworfen, um wohl doch noch ein wenig dem guten alten Klischee gerecht zu werden.
Na toll, da hing wohl jemand mächtig in der Midlifecrisis. Fehlte nur noch die weiß getönte und verspiegelte Sonnenbrille.
Ich zog die Augenbrauen in die Höhe. „Du bist also der weise Gandalette? Dann rück mal mit einer weisen Antwort raus! Was soll ich hier?“
Gandalette trat dichter an mich heran und sah mich mit einem schicksalsträchtigen Blick an, als stünde der Einsturz der Unterwelt bevor.
Ich hielt die Luft an.
„Die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel!“
Ich prustete los. „Ich bin Luzifer. Ich freue mich, wenn die Menschheit den Bach runter geht!“ Meine Augen leuchteten vor Begeisterung. „Und? Was ist es? Sind es die vier schwarzen Reiter?“
„Es hat nichts mit der Apokalypse zu tun … zumindest nicht direkt … Es sind übrigens neun“, erklärte Gandalette irgendwie genervt und sah mich besserwisserisch an.
„Nein, vier!“ Ich verschränkte entschieden die Arme vor der Brust.
„Doch, neun!“, beharrte Gandalette grummelig.
„Nein … Autsch!“
Gandalette donnerte mir seinen Stab auf den Kopf.
Ich knurrte leise vor mich hin und rieb mir den Kopf. „Was ist nun mit der Zukunft der Menschheit?“ Ich hatte absolut keine Lust mit diesem Gandalette zu streiten, er kämpfte mit unfairen Methoden … Außerdem wollte ich endlich der Menschheit den Todesstoß versetzen, denn aus anderen Gründen konnte ich ja kaum hier sein.
„Es gibt eine Prophezeiung…“, setzte Gandalette an.
„Oh…“ Ich verdrehte genervt aufstöhnend die Augen. „Fällt dir nichts Besseres ein?“
„Ich finde es genauso dämlich wie du, aber es ist nun mal so!“
„Dann lass mal hören“, seufzte ich.
„Moment.“ Gandalette hantierte an seinem Stab herum, bis dieser schließlich epische Musik von sich gab. Dann räusperte sich der Alte und legte los:
„Es existiert eine Frau, eine nicht besonders talentierte. Dennoch hat sie sich in den Kopf gesetzt, Bücher zu schreiben – mit verheerenden vier Folgen! Glücklicherweise hat sie keine Ideen, es gibt also von ihr noch keine Bücher. Doch in nächster Zeit wird sich hier etwas abspielen. Hier wird eine Liebe reifen und gedeihen und sie wird die perfekte Buchvorlage liefern! Diese Bücher werden die Menschheit zunächst spalten und dann, nach Jahren der Gehirnwäsche und Folter in den Wahnsinn treiben. Das wird der Untergang sein!!“, donnerte er.
„Aha.“ Das mit Folter und Wahnsinn klang ja ganz gut, aber Bücher? Ich heuchelte Interesse. „Äh … Welches Genre denn? Vielleicht … Horror? Psychothriller?“ Wenn es um Liebe ging, musste es ein Psychothriller sein.
„Fantasy.“ Gandalette grinste zufrieden.
Ich verdrehte die Augen. Fantasy. Ausgerechnet. Das einzige Genre, das ich nahezu unberechenbar fand.
In einem Psychothriller ist das Opfer dem Spiel des Mörders hilflos ausgeliefert, aber in der Fantasy … Da taucht plötzlich ein Retter aus dem Nichts auf oder das Opfer kann plötzlich zaubern. In der Fantasy ist alles möglich, man kann nie sicher sein.
Ich erschauderte. „Und … was habe ich damit zu tun?“
„Du musst das verhindern!“
„Was?“
„Die Liebe zwischen den beiden!“
Ich grinste mein schönstes diabolisches Grinsen. „Das wird sicher … Moment mal!“ Ich starrte Gandalette fassungslos an. „Wenn ich diese Liebe verhindere, dann gibt es auch keine Bücher, dann … rette ich die Menschheit!?“ Diese Erkenntnis entlockte mir einen Schrei des Entsetzens.
Erneut donnerte Gandalette mir seinen Stab auf den Kopf. „Ja verdammt! Du wurdest von der göttlichen Macht auf die Erde geschickt, um die Menschheit zu retten! Jetzt krieg dich mal wieder ein, so tragisch ist das doch nicht!“
„NICHT TRAGISCH?“, schrie ich hysterisch. „Ich soll die Menschheit retten? Warum ich??“
Gandalette zuckte mit den Schultern. „Weil die Mittel zum Zweck in diesem Fall … speziell sind. Die Menschheit lässt sich in diesem Fall nicht retten, ohne dass es auf irgendeine Art und Weise brutal wird. Nur ein Narr glaubt, dass es für dieses Problem eine friedliche Lösung gibt … Außerdem hat die Erzengel-Gewerkschaft Flaumfederchen einen Generalstreik angekündigt.“
Ich verzog angewidert das Gesicht. So gern ich auch eine Liebe heißblütig zerstören wollte, ich konnte es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.
Offenbar bemerkte Gandalette meine ungebrochene Abneigung. Seufzend wühlte er in seinen Taschen. „Vielleicht ändert das hier ja deine Meinung.“ Er hielt etwas Kleines, Goldenes in die Höhe.
„Was ist das?“ Neugierig geworden trat ich näher heran.
Gandalette schmunzelte. „Ein hübscher Funkelring. Er verleiht dem Träger eine Reihe besonderer Fähigkeiten, die ich dir aber nicht verrate, und er macht unsichtbar.“
Meine Augen weiteten sich vor Staunen. „Ich will auch so einen Funkelring! Gib ihn mir!!“ Ich riss das Schmuckstück eilig an mich und liebkoste es, hingerissen von dieser unglaublichen Perfektion, diesem Glanz, dieser Rundung. „Mein … Schatzzzz!“
Gandalette grinste zufrieden. „Damit wäre es besiegelt. Solltest du scheitern, wirst du böse bestraft!“
„Ha! Niemand bestraft schlimmer als ich!“
Gandalette schaltete seine epische Musik aus und knipste dafür sein Licht wieder an.
Ich kniff die Augen zu, er verschwand mit einem Knall.

Ich habe mich entschlossen, diesen Teil noch ein wenig zu ergänzen, dieser Teil passt einfach besser in dieses Kapitel, als in das nächste...

Als ich die Augen wieder öffnete, kam erneut ein grelles Licht auf mich zu – nein, zwei grelle Lichter.
„AAAAAH!“
Ein LKW donnerte auf mich zu … doch mir geschah nichts. Ich musterte den Ring in meiner Hand länger als nötig.
Beeindruckend!
Ich brauchte einen Augenblick, um meine Gedanken neu zu ordnen, schließlich war das alles mehr als absurd!
Ich, die Menschheit retten, wegen so einer dämlichen Prophezeiung! Weiß doch eh jeder, dass solche Dinger für gewöhnlich Selbstläufer sind!
Nachdenklich strich ich mit den Fingern über den Funkelring, bis mich plötzlich aus heiterer Hölle eine innere Eingebung überkam und ich den Ring auf meinen Lieblingsfinger – den mittleren – steckte.
Ein Gefühl unendlicher Glückseligkeit erfüllte meine Brust, das plötzliche Verlangen, mit Engeln der Flaumfederchen zu schmusen, überwältigte mich, mir wurde schwarz vor Augen…

2 Kommentare:

  1. Aaah! Ich will AUCH so einen Funkelring!

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  2. Ich lach mich tot! Die epische Musik ist klasse, Jenny.^^ Ich liebe Gandalette.

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