Samstag, 10. Juli 2010

Teil 3 - Edwin

Es tut mirschrecklich leid! In den letzten Wochen und Monaten bin ich kaum dazu gekommen, mich um Lulu und Co zu kümmern.
Aber heute ist es endlich wieder so weit! Hier kommt das nächste Kapitel zu Daylight!

Der Mond war immer noch von dicken Regenwolken verhangen, als ich wieder zu mir kam, dennoch blendete mich ein helles Licht.
Blinzelnd setzte ich mich auf. „Wo bin ich?“ Es machte eigentlich wenig Sinn, das laut zu fragen, schließlich wusste ich ja nicht, ob da überhaupt jemand war.
„Auf einer Garage“, antwortete eine Stimme. Ich war also in der Tat in Gesellschaft.
Und ich war verdutzt. „Was mache ich hier??“
„Ähm … sitzen?“
„Nein, warum bin ich auf einer Garage??“ Ich versuchte die Gestalt hinter dem Licht auszumachen.
„Och, ich hatte grad Bock, dich hier raufzuschleppen.“
„Warum??“ Ich stand auf und klopfte vorsichtshalber mein Gewand ab, nur für den Fall, dass es jetzt schmutzig war.
„Na ja, ist doch ein cooles Image! Jemand, der ohnmächtig wird, wacht häufig ganz woanders wieder auf“, erklärte die Stimme begeistert.
Endlich erkannte ich die Gestalt: ein junger Kerl, optisch höchstens durchschnittlich, aber sein Anblick im Dunkeln war schockierend: er leuchtete, als wären tausende LED-Glühbirnchen in seine Haut eingelassen.
„Ich bin Edwin Kalli“, stellte er sich nun vor, fuhr sich mit einer Hand durch die Haare und lächelte schief.
Moment mal, baggerte der mich an?
Vorsichtshalber wich ich einen Schritt zurück und musterte ihn eingehender. „Edwin?“
„Ja! Ich bin Edwin!“ Er trat näher an mich heran. „Und ich muss dir was wichtiges sagen…“, raunte er mit geheimnisvoller Miene, die durch das Leuchten erheblich an Dramatik verlor.
„Ach ja? Und was?“ Ich gab mich betont gleichgültig, schließlich hatte ich ganz andere Sorgen.
„Es wäre besser für dich, mir nicht nahe zu sein“, erklärte Edwin mit Trauermiene.
Jaaa, das machte Sinn. Dieser Typ rückte mir penetrant auf die Pelle und erklärte mir, ich sollte ihm nicht nahe sein!
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und hob eine Augenbraue. „Und wieso nicht? Ist ein Schwarm Motten hinter dir her?“
„Nein!“, fauchte Edwin frustriert. „Wir können nicht befreundet sein, weil ich gefährlich bin!“
Ich konnte nicht anders, ich musste fürchterlich lachen. „Gefährlich! Du bist lustig!“ Ich hielt mir den Bauch.
Edwin sah mich finster an, sofern das bei dem Geleuchte möglich war. „Du solltest lieber nicht lachen! Ich hüte ein dunkles Geheimnis!“
Nun brüllte ich vor Lachen. „Falls du dieses Stehlampen-Syndrom meinst, das ist nicht sehr dunkel!“ Ich machte eine abwinkende Geste. „Wuhu, ein Blut saugendes Glühwürmchen, Hilfe!“
„Woher weißt du, dass ich ein Vampir bin??“ Edwin glubschte mich neugierig an.
„Ich bin Luzifer, ich weiß so etwas halt. Außerdem habe ich einen Funkelring.“ Beiläufig spreizte ich meine Flügel und grinste diabolisch.
Nun sprang Edwin aufs Dach des Nachbarhauses, riss den Schornstein ab und warf ihn weg.
Verständnislos sah ich ihm dabei zu. „Warum tust du das??“
Edwin kam zurückgesprungen, sah mich mega böse an – zumindest sollte es mega böse aussehen – und knurrte mich an. „Weil ich schrecklich gefährlich und stark bin!!“
„Ah ja … und deshalb schmeißt du Schornsteine durch die Gegend … in der Nacht … wenn niemand sieht, wie schrecklich gefährlich und stark du bist?“ Ich zog meine Brauen in die Höhe.
Edwin kam ins Stocken. „Äh … aber … du hast es doch gesehen!“
Ich nickte und lächelte nachsichtig. „Ja, du hast Recht, ich habe es gesehen“, säuselte ich honigsüß, „…aber ich nehme dich nicht ernst.“
„Das … du … ich bin trotzdem schrecklich gefährlich und stark!“
„Bist du nicht.“
„Doch.“
„Nein.“
„Hattest du nicht gesagt, du hättest einen Funkelring? Wo ist der denn?“
„Lenk nicht vom Thema…“ Ich hielt inne und schaute an meine Hand. „Ähm…“
Tatsache! Wo war mein Funkelring?? Und überhaupt, sollte ich nicht eigentlich unsichtbar sein?
Hektisch griff ich an den Finger, auf den ich den Funkelring gesteckt hatte. Da! Ich konnte ihn spüren … aber ich sah ihn nicht! „Uh!“ Ich schlug mir gegen die Stirn. „Argh, was bringt es mir, wenn dieses Ding sich selbst unsichtbar macht??“
Edwin grinste selbstgefällig.
„Wieso leuchtest du eigentlich im Dunkeln?“, fragte ich nun patzig zurück. Die Frage verfehlte ihre Wirkung keinesfalls. Augenblicklich holte sie ihn wieder von seinem hohen Ross herunter.
„Man, das ist nicht lustig!“, grummelte er.
Ich lachte, einfach, weil er es nicht lustig fand. „Na, dann erzähl mal!“
„Das ist, weil ich – anders als die anderen Vampire – gerne in der Sonne spazieren gehe. Deshalb fange ich dann an zu leuchten, wenn es dunkel wird!“
Ich quietschte begeistert. „So wie diese Aufkleber, die man ins Licht legt und die dann leuchten?“ Doch die Begeisterung schwand, noch während ich das sagte, und wich dem Heimweh. Ich wollte zurück in mein höllisches Schlafzimmer und mir die neongelben Sonnen und Sterne und Monde an der Decke angucken.
„Hey, Lulu, alles in Ordnung mit dir?“ Prompt legte Edwin mir eine Hand auf die Schulter und sah mich mitfühlend an.
„Nenn mich nicht Lulu!“, schrie ich ihn an und trat ihm vors Schienbein. „Ah! Aua!“ Ich fasste mir an den Fuß und hüpfte auf einem Bein im Kreis herum.
„Aber Lulu, du solltest doch wissen, dass Vampire steinhart sind!“ Edwin griff nach meinem Fuß und umschloss ihn mit seinen Händen. Er war widerlich kalt … aber … es tat so gut. Der Schmerz verflog und mein Herz drohte ihm in einem Anflug von Zuneigung zuzufliegen.
Eilig riss ich mich zusammen und zog den Fuß zurück. „Äh, danke.“ Seufzend zog ich den Funkelring vom Finger. Kaum, dass er wieder sichtbar in meiner Hand lag, schoss ein Geistesblitz durch meinen Kopf.
Edwin war’s! Er war derjenige, der schuld daran war, dass ich nun hier war. Er war die Vorlage!!
Fass! schrie eine Stimme in meinem Kopf und ich stürzte mich einem Raubvogel gleich auf Edwin.

So, hier kommt wieder ein Stück, dass besser in dieses Kapitelchen passt (Lulu sollte mir in Zukunft vorher sagen, wann er gedenkt, ohnmächtig zu werden).

Irgendwie gelang es Edwin, sich meinem Griff zu entwinden und auf das nächste Dach zu springen.
„Stell dich, du Feigling!“, brüllte ich und setzte ihm mit wenigen Flügelschlägen nach. Es dauerte nicht lange und zwischen uns entbrannte ein epischer Kampf über den Dächern von Spoons – keine besonders epische Kulisse, aber na ja…
Endlich hatte ich ihn unter mir liegen, wollte gerade zum finalen Schlag ausholen, als mit einem Pling mein Funkelring in der Tiefe zu Boden fiel.
„Ah, mein Funkelring!“ Eilig schnellte ich im Sturzflug in die Tiefe, klatschte auf den nassen Asphalt und wurde wieder einmal ohnmächtig.

1 Kommentare:

  1. Waah, das hatte ich ja noch gar nicht gesehen! Endlich! :D
    Hab schon wieder Pipi in den Augen vor Lachen. Wie er den Schornstein durch die Gegend wirft, das ist großartig!

    Weitermachen! Sofort!

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