Dienstag, 7. September 2010

Teil 4 Stella

Sooo, endlich ist es so weit, auch Stella hat ihren Weg in die Geschichte gefunden.
Leider verschießt sie sich mir noch ein wenig, deshalb ist ihr Auftritt noch relativ kurz gehalten, aber das wird sich noch ändern, versprochen.

Viel Spaß!

(Und beachtet, dass ich gelegentlich die vorangegangenen Teile am Ende nachträglich verlängert habe, also lesen und Anschluss haben ;-))

Diesmal war ich etwas länger ohnmächtig, denn als ich wieder zu mir kam schien bereits die Sonne hell in mein Gesicht.
Kaum war ich wieder aufgewacht, donnerte mir jemand brutal einen Stab in den Magen.
„Argh!“
„Was war das denn für eine scheiß Aktion??“
Jetzt wusste ich, das Licht war nicht die Sonne, sondern Gandalettes Leuchtestab.
„Ich denke, du bist der Meister aller Grausamkeiten, was sollte der Schwachsinn, du Waschlappen?“
Ich setzte mich auf und blinzelte ins Licht. „Wenn du zugeguckt hast, hättest du ja auch helfen können! Und überhaupt, ich hätte ihn ja platt gemacht, wenn der Funkelring, den du mir geschenkt hast, nicht runter gefallen wäre!“, zickte ich ihn an und streckte ihm die Zunge raus. Und ich setzte gleich noch einen drauf, um diesen alten Sack seelisch fertig zu machen: „Übrigens funktioniert der Funkelring nicht richtig, er macht sich selbst unsichtbar!“
Gandalette starrte mich an, hob eine Augenbraue, sagte aber nichts.
Ha! Dem hatte ich es so richtig gegeben!
„Du musst ihn ja auch richtig herum anziehen.“
„WAS???“
Gandalette grinste süffisant. „Jetzt hab ich’s dir aber gegeben, wa? Du Trottel!“
„W-wie, richtig herum anziehen? Das ist ein Ring…“
Gandalette seufzte genervt, legte seinen Stab weg – endlich! – und riss mir ruppig den Ring aus der Hand. „Schau her…“ Er hielt den Rings ins Licht und zeigte mir eine rot leuchtende Inschrift auf dem Ring: Funkelring.
Warum, zur Hölle, war mir die noch nicht aufgefallen?
„Wenn die Schrift richtig herum ist, dann macht der Ring den Träger unsichtbar“, erklärte Gandalette mir in einem Ton, als ob ich sie nicht mehr alle auf der Reihe hätte.
Ich nickte ungeduldig. „Ja, habe ich verstanden … von mir aus richtig herum oder von meinem Gegenüber aus?“
„ARRRGH!“ Wieder einmal schlug der Alte mir seinen Leuchtestab auf die Rübe.
„Aua!“ Ich rieb mir schmollend den Kopf und stand auf, um eine würdigere Position einzunehmen.
„Kümmer dich jetzt gefälligst um die beiden, sonst kloppe ich dich in Grund und Boden“, meckerte Gandalette. „Wenn du den Ring aufsteckst – richtig herum – dann wirst du wissen, was zu tun ist.“ Und mit einem lauten Knall verschwand er.
Ich äffte ihn noch ein wenig nach, dann steckte ich den Ring sorgfältig auf den Finger, nachdem ich ihn zärtlich liebkost hatte, und schaute an mir herab.
Ey, cool! Ich konnte meine Füße nicht mehr sehen! Und meine Hände auch nicht!
Mit einem breiten Grinsen im Gesicht ging ich die Straße entlang. Plötzlich wusste ich ganz genau, wohin ich musste.
Der Himmel hellte bereits auf, als ich das Haus erreichte (ich war vor Schreck noch eine Weile hysterisch schreiend im Kreis gerannt, als ich plötzlich einen Friseursalon entdeckte), in dem eine gewisse Stella wohnte. Dank meiner messerscharfen Logik war mir schnell klar, dass es sich um das Mädchen handeln musste, das sich wohl in naher Zukunft in das Blut saugende Glühwürmchen verknallen würde. Fröhlich pfeifend ging ich einmal ums Haus herum.
Schäbige Hütte, schäbiger Vorgarten … und noch eine viel schäbigere Karre. Wer da nicht depressiv wird…
Nachdem ich mir einen Überblick über die Lage verschafft hatte, beschloss ich dieser Stella einen Besuch abzustatten. Mit ein paar Flügelschlägen war ich oben am Fester, öffnete es und…
„GRAAAH!!“
Kaktus!! Was zur Hölle hatte ein Kaktus auf dem Fensterbrett verloren??
Mit Tränen in den Augen zog ich die Stacheln aus meiner Hand, wild entschlossen, jeden einzelnen in Stellas Frühstück zu mischen.
Ich fand diese hinterhältige Person schlafend in ihrem Bett. Scheinbar träumte sie irgendetwas sehr Konfuses.
„Ey! Du da!“
Keine Reaktion.
„HAAALLOOO!!“
Nichts.
Und wenn sie mich gar nicht hören konnte? Vielleicht löste der Funkelring mich ja für die anderen ganz auf?
Widerwillig zog ich den Funkelring aus und verstaute ihn irgendwo in den Tiefen meiner Gewandung, nahm Anlauf und warf mich mit einem Kampfschrei quer übers Bett.
YESSS!
Mit einem lauten Aufschrei erwachte Stella, schlug um sich und wollte sich aufsetzen.
Doch da saß ich schon auf ihr, packte sie an den Schultern und schüttelte sie kräftig durch. „Du – darfst – dich – nicht – in – diesen – bekloppten – Schmusevampir – verlieben!!“, schrie ich sie an. Dann ließ ich ihre Schultern los und starrte sie giftig an.
Stella fiel ins Kissen zurück und verdrehte benommen die Augen, gab einen undefinierbaren, primitiv klingenden Laut von sich und schnaufte.
Vermutlich Schleudertrauma … oder sie hatte vorher etwas sehr abartiges geträumt … von einem Exorzismus oder so. Ha! Aber der Teufel war noch nicht ausgetrieben, der saß auf ihr! Muahahaaa!
„Wer … wer bist du?“, fragte sie schließlich verwirrt, schloss ihre Augen, öffnete sie wieder … und ich war immer noch da.
„Ich bin der Höllenfürst!“, hauchte ich, meine Stimme so eisig wie nur möglich, funkelte sie mit meinen roten Augen an und spreizte die Flügel. „Ich bin gekommen, um dich ins Verderben zu stürzen!“
„Deine Flügel tropfen!“
„Äh…“ Ich schielte zu meinen Flügeln. Sie tropften tatsächlich.
„Geh mal runter.“ Stella schubste mich vom Bett, stand auf und schlurfte zur Kommode, stolperte dabei über eine Falte im Teppich und klatschte auf den Boden, was dazu führte, dass ein Besen an der Wand seitlich wegrutschte und den Kaktus vom Fensterbrett fegte, der wiederum auf Stella gefallen hätte, wenn ich ihn nicht … gefangen hätte.
„GRAAAH!“
„Tut es sehr weh?“, fragte Stella, als sie sich wieder aufgerappelt hatte.
„Nein“, knurrte ich und zog mir erneut die Stacheln aus der Hand.
Unterdessen verließ Stella das Zimmer, kurz darauf kam sie mit einem Föhn zurück.
„Was soll das? Ich habe ein ernstes Wort mit dir zu reden, also fang gar nicht erst an, deine Ich-muss-mich-hübsch-machen-nummer abzuziehen!“, keifte ich.
Trotzdem ertönte der Föhn und pustete mir ekelhaft warme Luft entgegen.
„Was tust du da?“
„Deine Flügel sind ganz nass…“
Mit einem schweren Seufzer breitete ich die Flügel aus. Ich war mal wieder viel zu gutmütig.
„Du wirst morgen brav in die Schule gehen, ist das klar?“, fragte ich streng.
Mit Schule konnte ich nicht viel falsch machen. Früh morgens hin, stundenlang da und danach so ausgelaugt, dass für Jungs kein Blick mehr übrig war. Hach ja, Schule! Vampire gingen da bestimmt nicht hin.
Stella sah mich verdutzt an. „Natürlich … ich gehe immer zur Schule.“
„Braves Mädchen.“ Ich tätschelte ihr den Kopf.
„Was ist mit diesem Schmusevampir, den du erwähnt…?“
„DAS GEHT DICH EINEN FEUCHTEN DRECK AN!!“
Stella ließ vor Schreck den Föhn fallen und wurde kreidebleich im Gesicht – verdächtig kreidebleich. Prompt fiel sie ihn Ohnmacht.
„Grrr…“ Missmutig schmiss ich sie zurück aufs Bett, schließlich konnte ich ihr nicht einheizen, wenn sie bewusstlos war. Aber sie hatte ja gesagt, sie würde zur Schule gehen, nun musste ich nur noch dafür sorgen, dass sie auch bloß nicht vor oder nach der Schule auf Edwin traf.
Aber erst in ein paar Stunden, denn nun wollte ich erstmal in aller Ruhe meinen Funkelring liebkosen…

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